Der Keller

Kapitel II

Nicht weniger ist mehr, sondern: Nur mehr, ist wirklich mehr

Ein Keller sollte nicht voll geräumt werden mit Sachen, die man nicht mehr braucht. Doch bei den meisten Häusern dient leider der Keller genau zu diesem Zwecke. Vielmehr sollte man das zusätzliche Raumangebot sinnvoll nutzen. Einen schönen Keller baute ich in der Nähe von Linz in St. Georgen. Meine Bauherren nutzten ¾ des Kellers als Oase der Entspannung. Sauna, Dampfkabine, Vivarium mit Lichttherapie, Massagetisch und sogar ein Kneippbecken entstand. Obwohl es sich um ein ebenes Grundstück gehandelt hat, wurde die Südseite des Kellers frei gebaggert und mit Pflanzen und Granitpflasterung schön gestaltet. Nicht nur, dass ein einblickgeschützter Platz vor dem Keller entstand, der für ein späteres Whirlpool verwendet wurde, hatte diese tolle Möglichkeit auch noch einen anderen Wert. Tageslicht konnte so den sinnvoll genutzten Keller durchfluten. Bei unserem zweiten,eigenen Haus diente ein Teil des Kellers – wir bauten in eine Hanglage – als Schlafzimmer mit eigenem Bad. Auf der anderen Seite hatte ich ein großes Büro. Sie müssen sich im Klaren sein, dass ein Keller immer eine nicht unbedeutende Investition darstellt. Darum ist es umso wertvoller, den zusätzlichen Platz optimal zu nützen. Wenn Sie dem Keller keine große Bedeutung schenken wollen, dann ist eventuell zu prüfen, ob Sie den Keller nicht gleich weglassen und nur eine Bodenplatte machen sollten. Ein zusätzlicher Raum beim Haus oder bei der Garage würde dann vielleicht voll ausreichen. Doch sollte das Baugeld nur knapp kalkuliert sein, dann kann man ohne weiteres nur einen Rohbaukeller errichten. Außenwände, tragende Innenwände, Decke und natürlich die Isolierung, reichen dann einstweilen völlig aus. Man sollte nämlich bedenken, dass auch eine Fundamentplatte mit dazugehörigen Streifenfundamenten einiges an Kosten verschlingt. Die Mehrkosten zu einem Rohbaukeller sind dann meistens irgendwie aufbringbar. Es gibt eigentlich keinen Unterschied, ob Sie nun ein Zimmermeisterhaus bauen wollen oder ein Ziegelhaus. Der Keller bleibt bis auf ein paar mögliche Variationen derselbe.

Ausführung Keller
In die fertige Baugrube wird eine mind. 20 cm dicke Rollierung eingebracht. Die Rollierung ist wichtig, damit kein Wasser unmittelbar unter der Fundamentplatte stehen kann. Zu dem gleicht die Rollierung Unebenheiten aus. Auf die Rollierung wird eine Baufolie ausgelegt. Das ist wichtig, damit beim späteren Einbringen des Betons der Zementschleim in der Bodenplatte bleibt und nicht in der Rollierung verschwindet. Nun wird die Fundamentplatte so eingeschalt, dass sie jeweils mindestens 10 cm größer wird, als der eigentliche Keller. Unterhalb der Fundamentplatte liegt der Kanal ( = 150 mm). Ein Rund-Erder wird entlang der Außenwände als Erdung in die Platte verlegt und an den Ecken hochgezogen. Auch quer muss ein Rund-Erder in der Bodenplatte liegen. (Kein Punkt soll weiter weg entfernt sein, als 5 Meter). Zu empfehlen ist, dass auch im Bereich des Heizhauses die Erdung hochgezogen wird, bzw. auch dort wo der Zählerkasten installiert wird. Als Bewehrung genügen in den meisten Fällen zwei Lagen Eisenmatten AQ 50. Eine Lage muss unten liegen und die andere mit Hilfe von Distanzstreifen oben. Bei den meisten Kellern, die ich baue verwende ich Kunststofffasern anstatt der Matten.  Die Fundamentplatte wird nun mit Dichtbeton betoniert. Die Stärke der Platte, muss um die 25 cm betragen. Bei Verwendung von Fasern muss Sie mind. 30 cm stark sein.  Nach dem Betonieren, wird ein Fugenband, in den noch frischen Beton, entlang der Außenwände mittig liegend, gesteckt. Zum Abschluss, werden noch ca. 1 Meter lange Steckeisen, die oben umgebogen sind, alle 30 – 50 cm, im Verlauf der Außenwand, aber außerhalb des Fugenbandes, in den Beton gesteckt. Die Fundamentplatte ist somit fertig. Schon nach einem Tag kann mit den Kelleraußenwänden begonnen werden. Die Wände werden auf der Fundamentplatte zentimetergenau ausgemessen. Mit Hilfe der Aluschalung entstehen die Kelleraußenwände. Betoniert wird wieder mit Dichtbeton. Anstatt Eisenmatten werden Kunststofffasern dem Beton schon im Werk beigemengt. Das ist besonders wichtig, da Beton beim Erhärten schwindet und dadurch Schwindrisse entstehen. Durch die Beimengung der Kunststofffasern, wird das zu 100 % vermieden. In der Aluschalung werden sämtliche Aussparungen wie Türen und Fenster, mit Pfosten ausgeschalt. Nun werden die tragenden Innenwände mit Ziegeln gemauert. Unter der ersten Ziegelschar, wird eine Teerpappe verlegt. Da der Keller, irgendwann einmal, sinnvoll genutzt werden soll, verlegen wir eine Ziegeldecke mit einer minimalen, statisch benötigten, Bewehrung. Die vollflächige Eisenmatte, die normalerweise als Schwindbewährung dient, wird wieder von Kunststofffasern ersetzt. Mit Fertigbeton wird die Kellerdecke betoniert, die Stiege sollte am besten gleich mitbetoniert werden. Obwohl der Keller mit Dichtbeton betoniert ist, wird die gesamte Außenwand mit einem Bitumenanstrich versehen. Danach werden mindestens 10 cm dicke Styrodur – Platten mit einer Bitumenspachtelmasse vollflächig auf den Außenwänden angebracht. Sie dienen als Wärmeschutz. Den Abschluss der Isolierung bildet eine Noppenfolie als Wand – Drainagierung. Wenn keine Grundwassergefahr besteht, wird noch ein Drainageschlauch in der Höhe der Fundamentplatte gelegt. Das macht natürlich nur dann Sinn, wenn die Drainage an einen Sickerschacht oder Regenwasserkanal angeschlossen werden kann. Bei den Lichtschächten muss darauf geachtet werden, dass eventuell eindringendes Wasser ungehindert in die Drainage gelangen kann. Dafür sind bei allen Lichtschächten Abflussöffnungen. Der Keller braucht jetzt nur noch bis ca. 30 cm oberhalb der Fundamentplatte mit Rollierung hinterfüllt werden. Danach Flies darauf gelegt und mit Aushubmaterial hinterfüllt. Wichtig ist die richtige Verdichtung. Oft wird auch ein Rollierschotter GK 64 mm oder kleiner verwendet um den Keller zu hinterfüllen. Das ist besonders sinnvoll, da die „Grät“ später einfacher hergestellt werden kann. Die Zwischenwände sowie der Kamin werden nachträglich aufgemauert. Der Keller ist somit erstmals fertig. So, nun haben Sie erfahren, wie Sie ihren Keller bauen, bzw. wie die Ausführung auszusehen hat. Folgende Vorteile ergeben sich schon. Noppenfolie – viel weniger Rollierung beim Hinterfüllen Dichtbeton mit Fugenband – absolute Sicherheit Ziegeldecke – baubiologischer, optisch schöner, wenn verputzt Keine Fensterzargen sondern mit Holz aussparen – günstiger Elektroleitungen können in Decke und in den Innenwänden mühelos verlegt werden – Wohnkeller Sollte Gefahr von Grundwasser bestehen, keine zusätzlichen Kosten mehr Preis Leistungsverhältnis – unschlagbar Diese Ausführung für den Keller ist notwendig. Sie erreichen damit den höchsten Grad der Sicherheit bezüglich Feuchtigkeit. Trotz der qualitativ höchsten Bauweise sind die Kosten im Vergleich aller anderen Möglichkeiten gering. Wenn die Außenwände mit Füllsteinen gemauert werden, erreichen Sie nur mit enormen Kostenaufwand die gleiche Sicherheit bezüglich der Dichtheit. Einen Keller zu bauen, ist immer verbunden mit einer größeren Investition. Genau deswegen dürfen hier keine Kompromisse eingegangen werden. Ein Fertigteilkeller ist auch hochwertig, nur strahlen die Betonwände nicht gerade Behaglichkeit aus, und auch sämtliche Leitungen inkl. dem Wasser und Kanal müssten schon in den Wänden liegen. Sonst müssten sie alle Leitungen Aufputz verlegen, und das ist nicht so toll. Da Sie ja einen Keller errichten, um ihn auch sinnvoll nutzen zu können, sollten Sie noch eine minimale Investition tätigen. Unser Keller wird ja als Wohnkeller ausgeführt, somit wäre es gut an den Betonaußenwänden 5 cm Styropor zu geben, mit einem 8 cm dünnen Hochlochziegel vorzumauern und später zu verputzen. So erhalten Sie einen attraktiven Keller, der als Wohnraum dienen kann. Wenn ich Holzriegelhäuser baue, biete ich meinen Bauherrn die Wahl an, anstatt der Ziegeldecke eine Holzdecke mit sichtbaren Leimholzträgern zu verbauen. Auch die Innenwände mache ich dann gerne aus Holzriegel.

Comments are closed, but trackbacks and pingbacks are open.